“君子以文会友,以友辅仁。” (论语,12。24)
07.07. 2008
So sind wir also angereist, um durch möglichst gelehrten Austausch, nicht nur neues Wissen, sondern über dieses auch neue Freunde zu finden. Noch bevor uns diese potentiellen Freunde über den Weg laufen, wird uns dieser, aha: Künstlerhaus!, mit Poesie gepflastert. Gleich neben meiner Zimmertüre verewigt, trägt mich der Dichter Gregor Lasche (auch mal hier zu Gast gewesen?) von den wellenden Weinbergen der Pfalz hinfort zum Meeresstrand:
Schrille schöne Tausendfalt, zu Einsamkeit
und rund gescheuert, tiefer unter den
Wellenkämmen. Eine ausgelassene Ankunft, die von
Schaum, leichtfüßige Krönung, an Land gespien,
hat ja Geduld, geht länger als aller
Sand dazwischen, den schwersten Schritt
mit Schatten aus solchem Licht drüberhin. (…)
Oja - wo war ich? Doch, noch, in der Pfalz, Edenkoben und bis zum gemeinsamen Abendessen in dieser idyllischen Behausung haben alle bis auf drei von der Unbill verspäteter Transkontinentalflüge aufgehaltene Werkstattteilnehmer in schöner Tausendfalt eine ausgelassene Ankunft am Weinbergswellenstrand gefeiert. Tausendfältig, wirklich, die Wege, die einen jeden zum Übersetzen und zum Übersetzer und zu dieser Werkstatt gebracht haben. Schön , zu erfahren, dass wir es vermutlich seinem Nicht-Eintritt in die SED zu verdanken haben, dass Herr Professor Kautz sich nicht als Professor der Humboldt-Universität zur Ruhe gesetzt hat, sondern sich mit Liebe der Übersetzung der wichtigsten chinesischen Gegenwartsautoren widmen und uns an seinem Wissen teilhaben lassen kann. Die Biographien der anderen Teilnehmer und Organisatoren sind nicht ganz so lang und geschichtsträchtig wie die seine, aber nicht weniger spannend. Wir erfahren, dass auch Elfriede Jelinek schon mutig ins Chinesische übersetzt wurde, ein Dolmetscher durchaus mal eben den 1. Preis in seinem 1. Übersetzerwettbewerb abräumen kann und dass dank des Gastlandstatus für China auf der Frankfurter Buchmesse 2009 nun auch wieder chinesische Klassiker gefragt sind. Und noch viel mehr, aber ich muss um 14 Uhr beim nächsten Vortrag sitzen und kann nicht länger in der Erinnerung an eine äußerst sympathische erste Vorstellungsrunde schwelgen, die überraschend und angenehm ausführlich und persönlich geriet, womöglich weil der vorzügliche Edenkobener Spätburgunder sich zungenlösend auswirkte…
Ob nicht das Übersetzen der ringsum die Wände schmückenden Gedichte ins Chinesische am Ende noch zu einem Werkstattprojekt werden könnte?
Ich bin gespannt.
Karin Betz