Archive for the ‘Werkstatt-Tagebuch’ Category
Samstag, 18:00 Uhr
Samstag, Juli 12th, 2008Einer der Höhepunkte der Veranstaltung: Die Gesprächsrunde mit Uwe Timm1. Ein Höhepunkt insofern, dass nicht so sehr der Name bedeutend ist, sondern das, was er zu sagen hatte: Nach Übersetzern, Verbandsvertretern und Lektoren nun ein Autor, der uns direkt sagen konnte, wie treu wir ihm und seinem Werk überhaupt sein sollen.
In einer freundlichen2 Fragerunde stand Herr Timm uns zur Verfügung und half bei jeder unklaren Stelle - fantastisch für die Chinesen unter uns, die sich schließlich die letzten Tage intensiv mit seinem Werk beschäftigt hatten und nun Licht in einige Stellen bringen konnten, die trotz intensiver Diskussionen nicht ohne die Hilfe der “höchsten Autorität”3 geklärt werden konnten. Nicht weniger interessant aber auch für die Deutschen, die einerseits sehr anschaulich die Probleme gezeigt bekamen, die die Kollegen täglich beschäftigt hatten, aber auch selbst zu Stellen nachfragen konnten, die selbst für die Muttersprachler in der Lektüre noch unklar geblieben waren.
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1 Der Autor, den wir die ganze Zeit übersetzen.
2 Hat Spass gemacht
3 Kommentar von Herrn Prof. Huang. Gemeint ist seine Rolle als Autor, der den Text geschaffen hat und daher die Bedeutung am besten wissen muss.
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Chen Liangmei (陈良梅) und Volker Lehmacher (陶淵), Edenkoben, 12.07.08
Samstag, 16:00 Uhr
Samstag, Juli 12th, 2008Nun also die große Evaluationsrunde, bei gutem Wetter im Garten.
Eigentlich war schon diese Bewertung selbst eine gute Zusammenfassung der ganzen Woche: Eine Gruppe Gleichgesinnter, die sich angeregt in angenehmer Umgebung über Themen austauschen, die uns allen am Herzen liegen. Es gab konstruktive Kritik und Lob umso mehr. Denn auch wenn die eine oder andere Feinheit verbessert werden kann ist jeder von uns doch froh über die Chance, die uns hier geboten wurde. Wann hat man schon die Gelegenheit, in so schöner Umgebung, bei so guter Betreuung und einem so anregenden Programm mit (ursprünglich) fremden, doch gleichgesinnten Menschen zusammen zu treffen, um diesen Ort dann mit einer Menge schöner Erinnerungen und neuen Freunden zu verlassen?
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Chen Liangmei (陈良梅) und Volker Lehmacher (陶淵), Edenkoben, 12.07.08
Samstag, 12:30 Uhr
Samstag, Juli 12th, 2008Direkt anschließend an die Textarbeit fanden unsere beiden Gruppen wieder zusammen, zu einer kleinen internen Evaluation, ein Feedback gezielt für die Textarbeit. Unsere Uwe Timm-Fraktion hatte es im Gegensatz zur Yu Hua-Gruppe zwar geschafft, mit dem Text durchzukommen, aber die Eindrücke und Erfahrungen von der Arbeit waren in beiden Gruppen doch recht ähnlich. Natürlich gab es Unterschiede in der Herangehensweise und dem Ergebnis, aber alles in allem schien jeder mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Und schließlich hatte jeder von uns einen so unterschiedlichen Hintergrund und dadurch ganz andere Fragen und Schwierigkeiten, das es erstaunlich ist, wie gut all diese verschiedenen Fragen im gemeinsamen Gespräch gelöst wurden - auch ohne explizit in jedem Fall auf die Einzelfragen eingehen zu müssen. Ich denke, jeder von uns hat durch diese Werkstatt viel gewonnen.
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Chen Liangmei (陈良梅) und Volker Lehmacher (陶淵), Edenkoben, 12.07.08
Samstag, 12:00 Uhr
Samstag, Juli 12th, 2008Ein seltsames Gefühl, so langsam geht alles zu Ende. Wir hatten eben die letzte Textarbeit, wieder in Gruppen aufgeteilt. Dazu gibt es nicht viel zu berichten, was nicht andere schon erzählt hätten - wie die letzten Tage schon war die Arbeit wieder interessant und konstruktiv, heute nur ein wenig von dem rasch nahenden Ende der Werkstatt geprägt, so dass zumindest die deutsche Gruppe um 5 vor 12 einen harten Schnitt machen und zum letzten Satz springen musste. Kaum zu glauben, wie viele interessante Probleme in nur vier Seiten Text auftauchen können, genug Fragen, um tagelang darüber zu reden, ohne fertig zu werden.
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Volker Lehmacher (陶淵), Edenkoben, 12.07.08
设想与远见
Freitag, Juli 11th, 2008MITTWOCH, 9.7.2008

Auch wenn am Morgen eine Sitzung der Übersetzungskritik gewidmet war, so lag das Gewicht des Tages doch eindeutig auf der Organisation, die diesen Workshop erst möglich gemacht hat.
Aber der Reihe nach:
10h, Vortragssaal des KHE
Gemeinsame Textarbeit
Ein dankbares Thema. Sensibilisierung für Übersetzungsprobleme anhand fremder Übersetzungen. Fremd ist das Stichwort: keiner der Anwesenden braucht sich vor Kritik zu fürchten, da nicht seine eigene Arbeit zur Diskussion steht. Führt fasst immer zu einer sehr lebhaften Atmosphäre, hier nur durch den Einsatz von zwei Gläsern als improvisierter Klingel wieder unter Kontrolle zu bringen. Dennoch aus meiner Sicht sehr ergiebig, da gerade das Beispiel einer sehr schlechten Übersetzung zur erneuten Selbstreflexion zwingt: vermeide ich solche Fehler? Immer? Und wie stelle ich sicher, dass es so bleibt?
Zwei chinesische Übersetzungen von Kafkas „Vor dem Gesetz“, dann ein unbestritten gut und ein zweifelsohne schlecht übersetzter Auszug aus Romanen von Wang Shuo (die Diskussion der chinesischen Übersetzungen war eindeutig „angeregter“).
Kurz nach 12 Uhr: Aufbruch; mit den Zug nach Stuttgart
ca. 15 Uhr: Empfang in der Zentrale der Robert Bosch Stiftung
Vorstellung des Stifters
Gruppenfotos
Vorträge über die Aktivitäten der Stiftung, insbesondere hinsichtlich der neu aufgenommenen Förderung von Projekten mit Bezug zu China, Diskussion zukünftiger Projekte
Führung durch die Bosch-Villa (das nenne ich ein Einfamilienhaus!)
Der Besuch bei der Stiftung wird – allem Anschein nach – Folgen haben. Positive folgen. Folgen im Sinne des Stifters. Projekte, die aus dem Austausch entstehen, aus den vielen Aktivitäten, Interessen und Kontakten, die mitgebracht, vorgeschlagen und aufgenommen wurden. Mich hat heute wieder die Demut erfasst, mit der ich Angereist war. Sie hatte sich etwas gelegt durch den Umgang mit den anderen Teilnehmern, den Kollegen, den neu gewonnenen Freunden während der letzten Tage, aber wenn ich mich frage, was ich wohl – abgesehen vom Übersetzen und Dolmetschen – zur Völkerverständigung im Geiste von Robert Bosch beizutragen hätte, fällt mir nicht viel ein. Vielleicht der Hinweis, dass der Völkerverständigung nicht gedient ist, wenn bei heiklen Themen die Neutralität aufgegeben wird (两岸关系).
Was mich an der Stiftung fasziniert: Weitsicht und Humanismus des Stifters Robert Bosch sowie Überzeugung und Gewissenhaftigkeit, mit der seine Vorstellungen noch heute umgesetzt werden. Es hat mehr als zwanzig Jahre gebraucht, bis das Testament von Bosch umgesetzt wurde und die Stiftung ihre Aktivitäten aufnehmen konnte (1964). Doch hat diese Wartezeit die Ziele der Stiftung nicht verwässert – im Gegenteil. Sie arbeitet fast durchweg so gewissenhaft und gründlich, dass selbst Robert Bosch gerührt gewesen wäre.
Plenum (Restaurant) im Landtag
Gemeinsames Abendessen mit den Verantwortlichen der Stiftung
Rückfahrt nach Edenkoben
Bettgehzeit. Schlafanzug. Sektständchen. Tango. Noch mehr Rührung. Danke.
Johannes Fiederling
Bericht aus der Übersetzerwerkstatt vom 9. Juli 2007
Donnerstag, Juli 10th, 2008Mittwoch, den 09.07.2008, Künstlerhaus Edenkoben
Vormittags unter der Moderation von Frau Professorin Feng Yalin und Herrn Professor Ulrich Kautz zu einer gemeinsamen übersetzungskritischen Sitzung. Heftige Diskussionen über die chinesischen (am Beispiel von Franz Kafka) und die deutschen Übersetzungen (am Beispiel von Wang Shuo). Man hat nämlich zwei chinesische Versionen von Kafkas berühmter Parabel Vor dem Gesetz , die dem Roman Prozeß entstammt, und beide deutsche Übersetzungen von Wang Shuos Romanen (Kein Bisschen seriös und Herzklopfen ist das Spiel) unter die Lupe genommen. Sehr gute Textauswahl und höchstinteressante Diskussionsergebnisse, die noch mal die Feststellung, - mindestens meinetwegen im Falle der chinesischen Kafkaübersetzungen, - bestätigt haben: Die Qualität einer Übersetzung hängt gewissermaßen mit dem Interpretationsniveau, der Einsicht des Übersetzers, zusammen. Während an den beiden besprochenen chinesischen Fassungen unglücklicherweise markante Fehler diagnostiziert worden sind, ist die als misslungen beurteilte deutsche Übersetzung von Wang Shuos Roman auf vernichtende Kritik gestoßen. Das literarische Übersetzen ist nämlich wie ein „Seiltanz“, faszinierend aber gefährlich.
Fahrt mit Frau Dr. Maren Jäger und Frau Wörsdörfer nach Stuttgart, zunächst mit dem Kleinbus bis Neustadt, dann mit dem Zug, Umsteig in Mannheim. Frau Licher, die zu meiner Überraschung Professor Li Wei, den Präsident meiner Universität - Beihang Universität - gut kennt, hat uns vom Bahnhof zur Robert-Bosch-Stiftung abgeholt.
Ankunft bei der Robert-Bosch-Stiftung. Wiedersehen mit Frau Dr. Pflüger, Projektleiterin
Programmbereich Völkerverständigung Mitteleuropa, Osteuropa. Begrüßt von Herrn Professor Dr. Joachim Rogall, Leiter des Programmbereiches Völkerverständigung Mitteleuropa, Osteuropa, GUS, China. Sehr Informative Vorträge sowohl über den Stifter als auch über das China-Programm der Robert-Bosch-Stiftung von Herrn Marc Bermann, Projektleiter deutsch-chinesische Beziehungen, der sogar fließend Shanghaier Dialekt sprechen kann und einen guten Kontakt mit der Züricher Sinologin Frau Professorin Riemenschnitter). Bücher geschenkt bekommen (In Ketten tanzen. Übersetzen als interpretierenden Kunst und Saša Stanišics Roman Wie der Soldat das Grammofon repariert). Gemeinsame Fotoaufnahme mit Herrn Professor Rogall in einer sehr lockeren Atmosphäre. Nach der Gesprächsrunde hat uns Frau Pflüger eine beeindrückende Führung durch das majestätische Gebäude gemacht. Turmbesteigung und ein herrlicher Ausblick in die Ferne (Diese Tage habe ich alles mit Doppelfreude erlebt: Auf Einladung der Robert-Bosch-Stiftung besuche ich das Künstlerhaus Edenkoben, wo ich die Nachricht von der positiven Auswahlentscheidung der Alexander-von-Humboldt Stiftung zu meiner Bewerbung um das Forschungsstipendium für Postdoktoranden erhalten habe).
Spaziergang in die Stadt. Einkauf in der Buchhandlung: Uwe Timms Morenga, ein Roman, den mein Doktorvater Professor Horst Turk sehr schätzte. Turk hat Timm 2003 nach Göttingen eingeladen. Im Kreis der Turkianer tauchen mehrere Timm-Expertinnen auf (vor allem Frau Dr. Andrea Albrecht, die in Göttingen mehrere Timm-Vorträge hielt und zusammen mit Frau Dr. Weiershausen Timms Lesung des Romans Rot im Literaturhaus Göttingen moderierte). Erinnerung an Herrn Turk!
Tolles Essen im Restaurant „Plenum“. Auf der Rückfahrt von Stuttgart nach Mannheim fällt mir ein schönes Zitat von Harald Weinrich, dem berühmten Linguisten und Adelbert-von-Chamisso-Preisträger (Chamisso, der mit dem Sinologen Julius Klaproth in Berlin eng befreundet war, galt eben auch als ein China-Kenner), ins Auge:
„Deutschland ist ein Land, das Sprache und Geschichte gemacht, und alle Personen, die von der deutschen Sprache einen solchen Gebrauch machen, daß sie diese Geschichte weiterschreiben, sind unsere natürlichen Landsleute, sie mögen von innen kommen oder von außen.“ (Aus dem Vortrag „um eine deutsche Literatur von außen bittend“, 1983)
In der Nacht um 24:00 haben wir noch das Geburtskind Herrn Johannes Fiederling, den ersten Preisträger des Shanghaier Übersetzungswettbewerbs und den jüngsten Literaturübersetzer unter den Teilnehmern, herzlich beglückwünschen können.
Wu Xiaoqiao
Über den 8. Juli 2008
Donnerstag, Juli 10th, 20081. Gedicht auf dem Weg der Gedichte, der vor dem Künstlerhaus Edenkoben beginnt:
Wie Babel blättern wir
in den Wörterbüchern, gewaltig,
nicht wütend, freundlich mit denen,
die uns die Wörter brachten.
Sie stehen im Licht vor den Fenstern,
dahinter der Garten, die steinerne Bank,
darunter die Katze und die tote Maus,
da weiter die Reben, die Ordnung,
mit der wir Silben tauschen.
Kuppler sind wir. Wollen, daß
zwei fremde Zungen
sich heftig, ungezwungen
treffen. Der Wein hilft,
die Sonne, der große Raum
mit den Dichtern in so viel Licht
und raschelnden Büchern.
Freundschaft der Dichter
Das Mahl als Belohnung
am Abend. Ranken auf weißem Tuch.
Zehn Finger legen wir auf sie.
Joachim Satorius
Nach dem Frühstück begann der Tag mit einem Vortrag des Literaturkritikers und Autors Jörg Magenau, bei dem er einen Überblick über die Literatur der letzten Jahre verschaffte und auf vermeintliche aber auch echte literarische Trends einging. Er hob drei thematische Schwerpunkte der gegenwärtigen deutschsprachigen Literatur hervor:
1. Familienroman, in dem sich die jüngere Literatengeneration zur Identitätsfindung auf die Suche nach ihrer Herkunft macht und dafür oftmals die Geschichte der Großeltern erzählt. Anders als bei den 68ern geht es heute nicht um Abgrenzung und Anklage, sondern um die Beschäftigung mit dem eigenen kulturellen Ursprung. Nicht die Schuldfrage steht zur Debatte, sondern die Erinnerung, die die Nachgeborenen den Ermordeten schuldig ist.
2. Politik und Gewalt als literarische Themen, bei denen sich die Autoren häufig mit dem Innenleben terroristischer Akteure beschäftigen. 3. Ein wichtiger Bereich des Schwerpunkts Globalisierung und Migration ist die Literatur der deutschsprachigen Schriftsteller anderer Kulturen. Diese schlagen eine thematische Brücke zwischen der Kultur ihrer Herkunft und jener, in der ihre Sozialisation stattgefunden hat. Gleichzeitig bereichern sie die deutschsprachige Literatur sprachlich, indem sie kraftvolle Metaphern ihrer Ursprungskultur verwenden, die aus der Feder eines deutschen Literaten unauthentisch anmuten würden.
In China ist diese Literatur aus Deutschland weitgehend unbekannt und bleibt in der Regel unübersetzt. Des weiteren merkten die chinesischen Kollegen an, dass deutsche Literatur in China als langweilig gilt und sich wenig Beliebtheit erfreut, so dass sie nicht mit amerikanischen und französischen Romanen konkurrieren kann.
Nach dem Mittagessen stellte Dr. Maja Pflüger die vielfältigen Aktivitäten und Förderungsprogramme der Bosch-Stiftung vor. Jedes Jahr stehen der Stiftung rund 70 Mio. Euro für ihre Projekte zur Verfügung, um dem Stiftungsziel der Volkerverständigung Rechnung zu tragen. Welche Art von Projekten diesem Ziel dienen hat Robert Bosch in seinem Testament offen gelassen. Im literarischen Bereich liegt der Schwerpunkt der Stiftung im osteuropäischen Kulturkreis. Im vergangenen Jahr sind die Regionen Japan, China und Indien hinzugekommen.
Frau Pflüger vermittelte eine überaus hohe Wertschätzung, die die Bosch-Stiftung Literaturübersetzern als kulturellen Mittlern entgegenbringt und machte mehrfach das große Interesse an der Förderung und Stärkung dieses Berufes deutlich. Die Bosch-Stiftung strebe einen regen gegenseitigen Austausch mit Langzeitperspektive an, im Rahmen dessen Ideen und Projektvorschläge überaus willkommen seien. Auf Initiative der Bosch-Stiftung findet am 26. September dieses Jahres ein Runder Tisch zur Übersetzerförderung im Auswärtigen Amt zusammen mit über 50 Institutionen statt.
Der nachmittägliche Textarbeit widmeten sich chinesische und deutsche Übersetzer getrennt voneinander in zwei Gruppen. In der deutschen Gruppe wurde zunächst die individuelle Herangehensweise an einen neuen Text reflektiert: Übersetzt man erst roh oder gleich möglichst ausgefeilt? Tippt man sofort in den Computer oder schreibt erst mit der Hand?
Die 2×6 W-Fragen (6 x textextern, 6 x textintern) dienen als erster Schritt, um sich einem Text zu nähern. Textextern: Wer schreibt? Wo wird geschrieben? Welches Medium wird verwendet? Worüber wird geschrieben? Wann wird geschrieben? Warum wird geschrieben? Textintern: Was wird gesagt? Was nicht? Welche Lexik? Welche Sätze? Welcher Ton? Welche Gliederung? Anschließend begannen wir mit der detaillierten Arbeit an dem vorbereiteten Text, dem Beginn des Epilogs von „Brüder“, einem Roman des Autors Yu Hua, der in der Übersetzung von Professor Kautz im S. Fischer Verlag erscheinen wird. Als grundsätzlichen Hinweis verwies Herr Kautz darauf, im Verlauf der gesamten Übersetzung die Frage nach der Kohärenz und Kohäsion des Textes im Auge zu behalten.
Zum Abschluss des Abends las Herr Kautz aus seiner Übersetzung des Romans „Rare Gabe Torheit“ von Wang Meng. Zur Veranschaulichung der fulminanten Sprache des Autors wurde das Werk im Wechsel auf Chinesisch und auf Deutsch gelesen. Anschließend las Professor Feng ihren Aufsatz „Literarische Übersetzung aus hermeneutischer und interkultureller Sicht am Beispiel des Butt von Günther Grass“ vor.
Wörterbücher:
www.chinaboard.de/chinesisch_deutsch.php
www.chdw.de
www.chinese-tools.com/tools/chinese-german-dictionary.html
www.chinesisch-lernen.org
www.zhongwen.com/zi.htm
www.chinlex.de/d/index.htm
www.dict.cn
von: Thekla Chabbi
Erster Tag
Donnerstag, Juli 10th, 200808,07,2008
Da ich gestern sehr spaet angekommen war, ist heute my erster Tag in Deutschland. Da ich um 4 Uhr schon wach war, war ich um 6 Uhr schon auf den Beinen und in die Stadt gegangen. Die Stadt lag noch im Schlaf. In der Morgendaemmerung schlenderte ich mit neugierigen Augen durch die Gassen und Strassen, ging an die Weinstauden vorbei.Die Wildhase, die ins Weinfeld fluechten, liess mich an die <Kindzeit denken, wo wir die Wildhase immer als Daerduo (dismal nicht lange Nase,sondern lange oder grosse Ohre) nannten. Es ist ein ganz anderes Gefuehl als ein Spaziergang zu Hause, obwohl ich auch aus einer Stadt mit schoensten Landschaft komme. Ich hoerte hier Vogelzwitschern (Das kann man bei uns zu Hause selten hoeren)und sah die Pflanzen und Blumen aufwachen,und die hiersige early birds, die zum Arbeit fahren……
Das offizielle Programm begann um 10 Uhr. Herr Joerg Magenau hat uns einen ausfuehrlichen Ueberblick ueber die gegenwaertigen deutsche Literatur gegeben. Er hat sie in drei Kategorien geteilt. Viele Autoren und Buchtitel hat er genannt. Manche habe ich gekannt, manche habe ich nur gekannt und muss ich noch nachholen.
Nach dem Mittagessen hat uns Dr. Maja Pflueger von Robert Bosch-Stifung die Stiftung vorgestellt.Danach wurde wir alle Teilnehmer in zwei Gruppen geteilt. Unsere Chinesische Gruppe haben ganz lebhaft ueber Literaturuebersetzung diskutiert. Unser Fragen, unsere Probleme, unsere Hemmnungen,die Bedeutung des Uebersetzens usw. Alle Themen ums Uebersetzen. Diese Diskussion finde ich sehr erleuchtend.Vor allem fuer mich ,den einzigen von den chinesischen Teilnehmer, der nicht in einer Uni oder Hochschule arbeitet und in der Einsamkeit uebersetzt, ist diese Diskussion sehr hilfsreich.
Nach dem Abendessen liessen uns die Moderatoren noch nicht ausruhen,obwohl viele schon gaenten.
Ein langer und anstrengender Tag, aber auch ein ganz interessanter Tag.Fuer uns,die aus einer Temperatur mit uber 38Celsius Grad hierhergekommen sind, war das Wetter einbisschen zu kuehl, aber das Interesse fuer Literaturuebersetzung lies die Atmosphaere ganz heiter und warm.
“君子以文会友,以友辅仁。” (论语,12。24)
Dienstag, Juli 8th, 200807.07. 2008
So sind wir also angereist, um durch möglichst gelehrten Austausch, nicht nur neues Wissen, sondern über dieses auch neue Freunde zu finden. Noch bevor uns diese potentiellen Freunde über den Weg laufen, wird uns dieser, aha: Künstlerhaus!, mit Poesie gepflastert. Gleich neben meiner Zimmertüre verewigt, trägt mich der Dichter Gregor Lasche (auch mal hier zu Gast gewesen?) von den wellenden Weinbergen der Pfalz hinfort zum Meeresstrand:
Schrille schöne Tausendfalt, zu Einsamkeit
und rund gescheuert, tiefer unter den
Wellenkämmen. Eine ausgelassene Ankunft, die von
Schaum, leichtfüßige Krönung, an Land gespien,
hat ja Geduld, geht länger als aller
Sand dazwischen, den schwersten Schritt
mit Schatten aus solchem Licht drüberhin. (…)
Oja - wo war ich? Doch, noch, in der Pfalz, Edenkoben und bis zum gemeinsamen Abendessen in dieser idyllischen Behausung haben alle bis auf drei von der Unbill verspäteter Transkontinentalflüge aufgehaltene Werkstattteilnehmer in schöner Tausendfalt eine ausgelassene Ankunft am Weinbergswellenstrand gefeiert. Tausendfältig, wirklich, die Wege, die einen jeden zum Übersetzen und zum Übersetzer und zu dieser Werkstatt gebracht haben. Schön , zu erfahren, dass wir es vermutlich seinem Nicht-Eintritt in die SED zu verdanken haben, dass Herr Professor Kautz sich nicht als Professor der Humboldt-Universität zur Ruhe gesetzt hat, sondern sich mit Liebe der Übersetzung der wichtigsten chinesischen Gegenwartsautoren widmen und uns an seinem Wissen teilhaben lassen kann. Die Biographien der anderen Teilnehmer und Organisatoren sind nicht ganz so lang und geschichtsträchtig wie die seine, aber nicht weniger spannend. Wir erfahren, dass auch Elfriede Jelinek schon mutig ins Chinesische übersetzt wurde, ein Dolmetscher durchaus mal eben den 1. Preis in seinem 1. Übersetzerwettbewerb abräumen kann und dass dank des Gastlandstatus für China auf der Frankfurter Buchmesse 2009 nun auch wieder chinesische Klassiker gefragt sind. Und noch viel mehr, aber ich muss um 14 Uhr beim nächsten Vortrag sitzen und kann nicht länger in der Erinnerung an eine äußerst sympathische erste Vorstellungsrunde schwelgen, die überraschend und angenehm ausführlich und persönlich geriet, womöglich weil der vorzügliche Edenkobener Spätburgunder sich zungenlösend auswirkte…
Ob nicht das Übersetzen der ringsum die Wände schmückenden Gedichte ins Chinesische am Ende noch zu einem Werkstattprojekt werden könnte?
Ich bin gespannt.
Karin Betz