Samstag, 16:00 Uhr

Juli 12th, 2008

Nun also die große Evaluationsrunde, bei gutem Wetter im Garten.

Eigentlich war schon diese Bewertung selbst eine gute Zusammenfassung der ganzen Woche: Eine Gruppe Gleichgesinnter, die sich angeregt in angenehmer Umgebung über Themen austauschen, die uns allen am Herzen liegen. Es gab konstruktive Kritik und Lob umso mehr. Denn auch wenn die eine oder andere Feinheit verbessert werden kann ist jeder von uns doch froh über die Chance, die uns hier geboten wurde. Wann hat man schon die Gelegenheit, in so schöner Umgebung, bei so guter Betreuung und einem so anregenden Programm mit (ursprünglich) fremden, doch gleichgesinnten Menschen zusammen zu treffen, um diesen Ort dann mit einer Menge schöner Erinnerungen und neuen Freunden zu verlassen?

Chen Liangmei (陈良梅) und Volker Lehmacher (陶淵), Edenkoben, 12.07.08

因文而友,因友而会,因会而仁,因仁而文

Juli 12th, 2008

jedes Mal, wenn ich zu solcher Veranstaltung komme, bin ich sehr froh. Alte Freunde wiedertreffen, neue Freunde kennenlernen, gute und schlechte Erfahrungen mit Kollegen austauschen, plaudern, Wein trinken, alle lachen so laut, … die Zeit ist immer zu kurz.

Auf der Heimfahrt fühlte ich ein bisschen einsam und möchte auf dieser Weise zurückmelden.

Die Diskussion ‘Round table’ zum Thema „Deutsche Literatur in China, chinesische Literatur in Deutschland“ hat uns die Unausgeglichenheit beim Literatur-Austausch zwischen China und Deutschland ganz klar vor Augen geführt: fast wie eine Einbahnstraße von Deutschland nach China. Leider haben wir nicht diskutiert, ob wir als „Straßenbauer“ diese Einbahnstraße zu einer breiteren Straße mit Gegenverkehr umbauen können und zwar wie.

Ein bisschen tröstlich: einige junge deutsche Kollegen sind mutig und auch schon bereit, GONGFU-Romane aus China zu übersetzen. Immerhin brauchen die Leser nicht nur „YANG-CHUN-BAI-XUE“ (Hohe Literatur), sondern auch „XIA-LI-BA-REN“ (Unterhaltung).

Als bezahlter Referent fühle ich mich ein bisschen beunruhigt, weil ich kaum zum vorbereiteten Thema “Probleme des Buch-Austauschs zwischen China und Deutschland. Wie können die Übersetzer dabei helfen?“ zu Wort kommen konnte. Daran schuldig könnte „Fußnote“ sein.

Wahrscheinlich doch lieber nicht zu diesem Thema, denn für China ist in der Tat die Bilanz beim Buch-Austausch zwischen China und Deutschland sowie noch schlechter als Literatur-Austausch. Wer in Deutschland kennt einen chinesischen Sachbuchautor oder einen chinesischen Kinderbuchautor? Im Gegenteil stehen einige deutsche Sachbuchautoren und Kinderbuchautoren monatelang auf der Bestsellerliste in China und haben Millionen-Auflagen, was die deutschen Autoren der hohen Literatur sicher nur voll Neid ansehen könnten.

Eigentlich erwarte ich einige gute Vorschläge von den Kollegen, wie wir zusammen viele Probleme beim Buch-Austausch zwischen China und Deutschland lösen können. Immerhin bin ich einigermaßen schuldig an dieser „Einbahnstraße“, die ich mit viel Mühe mitgebaut habe. Naja, wahrscheinlich nächstes Mal …

Lassen wir uns schon auf unser nächstes Wiedertreffen freuen.

Nochmals vielen Dank an Bosch-Stiftung, vielen Dank an Künstlerhaus Edenkoben

Liebe Grüße an alle Teilnehmer

Hongjun Cai

cai@hercules-book.de

Eine Bitte an deutsche Kollegen: Könnte jemand diesen chinesischen Satz von oben ins schöne Deutsche übersetzen? Vielen Dank im voraus.

Info: Mailinglisten

Juli 12th, 2008

In den letzten Tagen haben wir oft über die Möglichkeit gesprochen, nach dem Treffen noch in Kontakt zu bleiben.

Rein geografisch wird es schwer sein, sich häufiger zu treffen, daher sollten wir versuchen, über elektronische Mittel in Kontakt zu bleiben.

Damit wir nicht das Rad neu erfinden biete ich hier einen kurzen Überblick über die beliebtesten Mailinglisten für Übersetzer:

  • u-forum: U-Forum steht für Übersetzer-Forum. Hier tauschen sich (Fach-)übersetzer über alles aus, was direkt mit Übersetzen zu tun hat. (http://www.tw-h.de/mailinglisten/)
  • u-jobs: U-Jobs ist eine Mailingliste speziell für die Vermittlung von Übersetzungsaufträgen. Hier werden ausschließlich Übersetzungsaufträge an alle Empfänger verschickt, in der Regel Fachübersetzungen. (http://www.tw-h.de/mailinglisten/)
  • u-litfor: Litfor ist die kleine Schwester von U-Forum. Hier wird über alles diskutiert, was Bezug zu Literaturübersetzen hat. (http://www.tw-h.de/mailinglisten/)
  • pt_: PT steht für Partnertrans und ist eine Mailingliste mit dem gleichen Ziel und Inhalt wie u-forum. Der Unterschied liegt im Ton: U-Forum ist sehr streng, dadurch effizient, aber etwas kalt und unfreundlich. In pt ist der Ton freundlicher, dafür muss man aber auch mal Anfragen akzeptieren können, die nicht direkt mit Übersetzen zu schaffen haben. (http://tech.groups.yahoo.com/group/pt_/)
  • zh-de: Zh-De ist eine kleine und bisher noch unbedeutende Liste, speziell für Übersetzer, die Chinesisch-Deutsch oder Deutsch-Chinesisch übersetzen. Bisher sind fast ausschließlich Fachübersetzer vertreten. (http://de.groups.yahoo.com/group/zh-de/)

Volker Lehmacher (陶淵), Edenkoben, 12.07.08

Samstag, 12:30 Uhr

Juli 12th, 2008

Direkt anschließend an die Textarbeit fanden unsere beiden Gruppen wieder zusammen, zu einer kleinen internen Evaluation, ein Feedback gezielt für die Textarbeit. Unsere Uwe Timm-Fraktion hatte es im Gegensatz zur Yu Hua-Gruppe zwar geschafft, mit dem Text durchzukommen, aber die Eindrücke und Erfahrungen von der Arbeit waren in beiden Gruppen doch recht ähnlich. Natürlich gab es Unterschiede in der Herangehensweise und dem Ergebnis, aber alles in allem schien jeder mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Und schließlich hatte jeder von uns einen so unterschiedlichen Hintergrund und dadurch ganz andere Fragen und Schwierigkeiten, das es erstaunlich ist, wie gut all diese verschiedenen Fragen im gemeinsamen Gespräch gelöst wurden - auch ohne explizit in jedem Fall auf die Einzelfragen eingehen zu müssen. Ich denke, jeder von uns hat durch diese Werkstatt viel gewonnen.

Chen Liangmei (陈良梅) und Volker Lehmacher (陶淵), Edenkoben, 12.07.08

Samstag, 12:00 Uhr

Juli 12th, 2008

Ein seltsames Gefühl, so langsam geht alles zu Ende. Wir hatten eben die letzte Textarbeit, wieder in Gruppen aufgeteilt. Dazu gibt es nicht viel zu berichten, was nicht andere schon erzählt hätten - wie die letzten Tage schon war die Arbeit wieder interessant und konstruktiv, heute nur ein wenig von dem rasch nahenden Ende der Werkstatt geprägt, so dass zumindest die deutsche Gruppe um 5 vor 12 einen harten Schnitt machen und zum letzten Satz springen musste. Kaum zu glauben, wie viele interessante Probleme in nur vier Seiten Text auftauchen können, genug Fragen, um tagelang darüber zu reden, ohne fertig zu werden.

Volker Lehmacher (陶淵), Edenkoben, 12.07.08

schlechtes Wetter, gute Stimmung

Juli 12th, 2008

37 º in Shanghai, 20 º in Edenkoben, innerhalb von 24 Stunden bin ich vom Heissbad ins Kaltbad gestuerzt. Aber weder der Schauer noch die kalte Luft koennen unsere Leidenschaft fuer die Literaturuebersetzung daempfen. Wir  Chinesen haben so lebhaft und lautstark diskutiert, als ob je lauter die Stimme ist, desto ueberzeugender ist die Formulierun Das gegruebelte Wort darf doch nicht einfach aus dem Text geloescht werden. Die Szene erinnert mich an die Vorlesung in der Gruppe 47, wo man den eigenen Text vorlas und kritisiert wurde.Die Kritik war so scharf, dass er Vorlesestuhl spaeter als ein elektrischer Stuhl bezeichnet wurde(siehe G. Grass Beim Haeuten der Zwiebel S.463). Wir sind gluecklicher als die armen Mitglieder der Gruppe 47, immerhin haben wir noch Recht, die eigene Uebersetzung zu verteidigen, auch wenn die Stimme gleich von den Gegenstimmen uebertoent wird.Die Gruppenarbeit ist fuer mich viel produktiver und aufschlussreicher als Einzelgaengerarbeit. Aber wie ein chinesisches Sprichtwort sagt, muss ein Bankett ein Ende haben, auch wenn es schoen ist. Wir gehen uebermorgen in alle Himmelsrichtungen und sitzen wieder doof vor dem Computer und „setzen Wort fuer Wort“ (码字). Es waere mir wuenschenwert, wenn der Blog nicht schliesst, damit wir in der Zukunft die Fragen stellen, beantworten und die Erfahrungen austauschen koennen.

求同存异

Juli 12th, 2008

Freitag, 11. Juli 2008
An einem Tag habe ich Sommer und Herbst erlebt. Typisches Wetter in Deutschland: wechselhaft, aber angenehm finde ich..
Zum Programm:
Um 10 Uhr hat Herr Prof. Dr. Kautz einen Vortrag gehalten, umfang- und aufschlußreich. Der Schwerpunkt des Vortrags liegt in der Diskussion über die Möglichkeit der Ausbildung des literarischen Übersetzens, und über die relevanten Rollen beim Übersetzen, nämlich: Verfasser, Leser, Auftraggeber und Übersetzer. Ich meine, Balance zu halten zwischen Verlag- und Leserinteresse, und zwischen Ausgangstext und Zieltext gewinnt an Wichtigkeit, aber einigermaßen unmöglich.
14.00 Uhr
„Roud Table“ zum Thema „Deutsche Literatur in China, chinesische Literatur in Deutschland“ mit Beiträgen von Frau Feng, Herrn Kautz, Frau Kupsi und Herrn Cai. Die Vorstellung der Literaturbeziehung zwischen Deutschland und China im Bereich des Übersetzens finde ich schon interessant, die Diskussionen über Maktbeobachtung, Fußnoten in der Übersetzung, Namenübersetzung usw. eher praktisch und hilfreich. Die muss ich mir später genauer überlegen. Ich bin für Fußnoten in der Übersetzung der schönen Literatur, aber nicht absolut.
18.30 – 23.15
Im Veranstaltungssaal, bei unerträglich niedriger Temperatur, herrschen leidenschaftliche Diskussionen. Themen der Diskussionen zusammenzufassen, 天啦(我的上帝啊), nicht denkbar. In meinem Kopf alles, auch nichts.

Unvergessliche Kollegen,
Unvergleichliche Organisation,
Unvorstellbar schönes Haus
und ruhige Stadt Edenkoben.
Und ich habe mein Herz im KHE verloren.
Chen Min aus Nanjing

10. Juli

Juli 11th, 2008

Der Tag beginnt mit dem Herzstück der Werkstatt: der Textarbeit. Für diese Arbeit dürfte es im Bereich Chinesisch-Deutsch im gesamten deutschsprachigen Raum keinen besseren als Ulrich Kautz geben, der sich seit langen Jahren in der Praxis als hervorragender Übersetzer UND Didaktiker zugleich bewährt hat. Die Textarbeit macht - und das ist mir persönlich als Germanisten natürlich sympathisch - immer wieder deutlich: Übersetzen ist im Kern ein Ringen mit der deutschen Sprache; die Übersetzungskritik entsprechend in der Hauptsache eine germanistische Arbeit. Natürlich kommen auch gelegentlich inhaltliche Fehler und Interpretationsschwierigkeiten zur Sprache, aber das ist eher die Ausnahme. Dadurch, dass Herr Kautz die vorgelesenen Übersetzungen der Teilnehmer zu anonymisieren pflegt und die Teilnehmer allenfalls freiwillig aus dieser Anonymität heraustreten, bleibt die Konzentration auf den sachlichen Kern stets gewahrt und niemand glaubt sich persönlich verteidigen zu müssen. Für mich, der ich schon vor ein paar Jahren das Glück hatte, ein ganz ähnlich ausgerichtetes Seminar auch mit Herrn Kautz als Werkstattleiter besuchen zu dürfen, stellte die seinerzeitige Textarbeit ein Durchbruchserlebnis bei meinem Werdegang als Übersetzer dar. Der deutsche Text - das ist mir damals in aller Deutlichkeit klar geworden - muss absolut und ohne Einschränkungen für sich selbst stehen können; der Blick geht ab einem bestimmten Punkt der Textarbeit (fast) nur noch nach vorn, auf den deutschen Leser, statt zurück, zum Original.

Nachmittags setzten wir zunächst für eine Stunde die Textarbeit in getrennten Gruppen fort, ehe sich dann Deutsche und Chinesen zu zwei Gastvorträgen zusammenfanden. Den Auftakt machte Antje te Brake von der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V. (litprom). Sie informierte über das Übersetzungsförderungsprogramm von litprom - dem gerade “kleine” Literaturen wie die chinesische viel zu verdanken haben -, über den Ehrengastauftritt Chinas 2009 auf der Frankfurter Buchmesse sowie - als Projektleiterin - über die Veranstaltungen im Übersetzer-Zentrum der Buchmesse. Über die von Frau te Brake aufgeworfene große Frage - ob die Wirkung des Gastlandauftritts 2009 danach gleich wieder verpufft - waren wir Teilnehmer uns uneins: die alten Hasen (Herr Kautz und Herr Klöpsch) skeptisch, die Jüngeren eher optimistisch. Für einige von uns besonders interessant: die nächste Nummer der von litprom herausgegebenen Zeitschrift “Literaturnachrichten” hat China zum Schwerpunkt; noch ist genug Platz für Beiträge. War da nicht noch was in der Schublade?

Danach kam ein Vortrag von Rosemarie Tietze. Frau Tietze ist - vergleichbar Herrn Kautz - nicht nur selbst eine hervorragende (und preisgekrönte) Übersetzerin, sondern auch eine - sicherlich genauso hervorragende - Übersetzungslehrerin (am Münchener SDI). Den Vortrag hielt sie freilich in ihrer Rolle als Verbandsfunktionärin (vom Deutschen Übersetzerfonds). “Funktionärin”, das hört sich sehr trocken und nicht unbedingt sympathisch an - Frau Tietze mit ihrer natürlichen Wärme und ihrem völlig uneitlen, unprätentiösen Auftreten ist das genaue Gegenteil. Aber auch inhaltlich war ihr Vortrag beeindruckend: Unglaublich, was der VdÜ (Verband deutschprachiger Übersetzer) und der Deutsche Übersetzerfonds an Stipendien und sonstigen Fördermöglichkeiten, nicht zuletzt an hochgradig bezuschussten Seminaren anbieten. Während Frau Tietze einerseits - um uns vor einem möglichen Selbstbetrug zu bewahren - manches Ernüchternde in aller Klarheit äußerte - etwa die Tatsache, dass Literaturübersetzer IMMER unterbezahlt sind und kaum je von ihrer Arbeit leben können -, waren ihre Ausführungen doch andererseits sehr tröstlich. Vor allem vermittelte sie das Bild eines Berufsstandes, in dem Kollegenhilfe sehr viel zählt und mehr die Regel als die Ausnahme ist. Die Zeiten des Übersetzers als eines “uninformierten Einsiedlerkrebses”, wie Frau Tietze es formulierte, sind glücklicherweise vorbei. Und gerade solche Seminare wie das unsrige leisten dazu einen ganz wesentlichen Beitrag.

Den abendlichen Ausklang bildete - ganz gemütlich und entspannt - eine Weinprobe mit der Weinprinzessin von Edenkoben. Glücklicherweise spielte das Wetter mit - den ganzen Tag über herrliches warmes Sommerwetter -, so dass das Zechgela…-, nein, die Weinprobe im Garten direkt beim Haus stattfinden konnte. Tolle Weine, angefangen von diversen Weißweinen bis hin zu einem roten (!) Eiswein als krönendem Abschluss; die jeweiligen “Proben” dabei so großzügig bemessen, dass der Rasen - beim Gedanken daran blutet mir noch immer das Herz - von den weniger trinkfesten Teilnehmern reichlich gedüngt wurde. Dazu kundige Einführungen und launige Witze, mit viel Pfälzer Charme präsentiert vom Winzer. Mit dem Alkoholpegel stieg auch die Stimmung; spätestens mit dem grandios erzählten und dargebotenen Witz von Thekla waren - jedenfalls an meinem Tisch - alle Dämme gebrochen. Als dann auch noch Herr Kautz seine unerschöpfliche Anekdotenschatztruhe öffnete, war der Abend nicht mehr steigerungsfähig. Nur eine kritische Bemerkung sei erlaubt: Liebe Leute vom Künstlerhaus Edenkoben, müsst ihr denn JEDEN Abend mit diesen leckeren Weinen aufwarten? Jedenfalls sind einen Tag später die guten, feierlich verkündeten Vorsätze von gestern - “Morgen trinke ich aber mal keinen Tropfen!” - “Nein, morgen setze ich unbedingt aus!” - schon wieder verflogen.

设想与远见

Juli 11th, 2008

MITTWOCH, 9.7.2008

Robert Bosch

Auch wenn am Morgen eine Sitzung der Übersetzungskritik gewidmet war, so lag das Gewicht des Tages doch eindeutig auf der Organisation, die diesen Workshop erst möglich gemacht hat.

Aber der Reihe nach:
10h, Vortragssaal des KHE
Gemeinsame Textarbeit

Ein dankbares Thema. Sensibilisierung für Übersetzungsprobleme anhand fremder Übersetzungen. Fremd ist das Stichwort: keiner der Anwesenden braucht sich vor Kritik zu fürchten, da nicht seine eigene Arbeit zur Diskussion steht. Führt fasst immer zu einer sehr lebhaften Atmosphäre, hier nur durch den Einsatz von zwei Gläsern als improvisierter Klingel wieder unter Kontrolle zu bringen. Dennoch aus meiner Sicht sehr ergiebig, da gerade das Beispiel einer sehr schlechten Übersetzung zur erneuten Selbstreflexion zwingt: vermeide ich solche Fehler? Immer? Und wie stelle ich sicher, dass es so bleibt?
Zwei chinesische Übersetzungen von Kafkas „Vor dem Gesetz“, dann ein unbestritten gut und ein zweifelsohne schlecht übersetzter Auszug aus Romanen von Wang Shuo (die Diskussion der chinesischen Übersetzungen war eindeutig „angeregter“).

Kurz nach 12 Uhr: Aufbruch; mit den Zug nach Stuttgart
ca. 15 Uhr: Empfang in der Zentrale der Robert Bosch Stiftung
Vorstellung des Stifters

Gruppenfotos
Vorträge über die Aktivitäten der Stiftung, insbesondere hinsichtlich der neu aufgenommenen Förderung von Projekten mit Bezug zu China, Diskussion zukünftiger Projekte

Führung durch die Bosch-Villa (das nenne ich ein Einfamilienhaus!)

Der Besuch bei der Stiftung wird – allem Anschein nach – Folgen haben. Positive folgen. Folgen im Sinne des Stifters. Projekte, die aus dem Austausch entstehen, aus den vielen Aktivitäten, Interessen und Kontakten, die mitgebracht, vorgeschlagen und aufgenommen wurden. Mich hat heute wieder die Demut erfasst, mit der ich Angereist war. Sie hatte sich etwas gelegt durch den Umgang mit den anderen Teilnehmern, den Kollegen, den neu gewonnenen Freunden während der letzten Tage, aber wenn ich mich frage, was ich wohl – abgesehen vom Übersetzen und Dolmetschen – zur Völkerverständigung im Geiste von Robert Bosch beizutragen hätte, fällt mir nicht viel ein. Vielleicht der Hinweis,  dass der Völkerverständigung nicht gedient ist, wenn bei heiklen Themen die Neutralität aufgegeben wird  (两岸关系).

Was mich an der Stiftung fasziniert: Weitsicht und Humanismus des Stifters Robert Bosch sowie Überzeugung und Gewissenhaftigkeit, mit der seine Vorstellungen noch heute umgesetzt werden. Es hat mehr als zwanzig Jahre gebraucht, bis das Testament von Bosch umgesetzt wurde und die Stiftung ihre Aktivitäten aufnehmen konnte (1964). Doch hat diese Wartezeit die Ziele der Stiftung nicht verwässert – im Gegenteil. Sie arbeitet fast durchweg so gewissenhaft und gründlich, dass selbst Robert Bosch gerührt gewesen wäre.

Plenum (Restaurant) im Landtag
Gemeinsames Abendessen mit den Verantwortlichen der Stiftung

Rückfahrt nach Edenkoben

Bettgehzeit. Schlafanzug. Sektständchen. Tango. Noch mehr Rührung. Danke.

Johannes Fiederling

Bericht aus der Übersetzerwerkstatt vom 9. Juli 2007

Juli 10th, 2008

Mittwoch, den 09.07.2008, Künstlerhaus Edenkoben

Vormittags unter der Moderation von Frau Professorin Feng Yalin und Herrn Professor Ulrich Kautz zu einer gemeinsamen übersetzungskritischen Sitzung. Heftige Diskussionen über die chinesischen (am Beispiel von Franz Kafka) und die deutschen Übersetzungen (am Beispiel von Wang Shuo). Man hat nämlich zwei chinesische Versionen von Kafkas berühmter Parabel Vor dem Gesetz , die dem Roman Prozeß entstammt, und beide deutsche Übersetzungen von Wang Shuos Romanen (Kein Bisschen seriös und Herzklopfen ist das Spiel) unter die Lupe genommen. Sehr gute Textauswahl und höchstinteressante Diskussionsergebnisse, die noch mal die Feststellung, - mindestens meinetwegen im Falle der chinesischen Kafkaübersetzungen, - bestätigt haben: Die Qualität einer Übersetzung hängt gewissermaßen mit dem Interpretationsniveau, der Einsicht des Übersetzers, zusammen. Während an den beiden besprochenen chinesischen Fassungen unglücklicherweise markante Fehler diagnostiziert worden sind, ist die als misslungen beurteilte deutsche Übersetzung von Wang Shuos Roman auf vernichtende Kritik gestoßen. Das literarische Übersetzen ist nämlich wie ein „Seiltanz“, faszinierend aber gefährlich.

Fahrt mit Frau Dr. Maren Jäger und Frau Wörsdörfer nach Stuttgart, zunächst mit dem Kleinbus bis Neustadt, dann mit dem Zug, Umsteig in Mannheim. Frau Licher, die zu meiner Überraschung Professor Li Wei, den Präsident meiner Universität - Beihang Universität - gut kennt, hat uns vom Bahnhof zur Robert-Bosch-Stiftung abgeholt.

Ankunft bei der Robert-Bosch-Stiftung. Wiedersehen mit Frau Dr. Pflüger, Projektleiterin
Programmbereich Völkerverständigung Mitteleuropa, Osteuropa. Begrüßt von Herrn Professor Dr. Joachim Rogall, Leiter des Programmbereiches Völkerverständigung Mitteleuropa, Osteuropa, GUS, China. Sehr Informative Vorträge sowohl über den Stifter als auch über das China-Programm der Robert-Bosch-Stiftung von Herrn Marc Bermann, Projektleiter deutsch-chinesische Beziehungen, der sogar fließend Shanghaier Dialekt sprechen kann und einen guten Kontakt mit der Züricher Sinologin Frau Professorin Riemenschnitter). Bücher geschenkt bekommen (In Ketten tanzen. Übersetzen als interpretierenden Kunst und Saša Stanišics Roman Wie der Soldat das Grammofon repariert). Gemeinsame Fotoaufnahme mit Herrn Professor Rogall in einer sehr lockeren Atmosphäre. Nach der Gesprächsrunde hat uns Frau Pflüger eine beeindrückende Führung durch das majestätische Gebäude gemacht. Turmbesteigung und ein herrlicher Ausblick in die Ferne (Diese Tage habe ich alles mit Doppelfreude erlebt: Auf Einladung der Robert-Bosch-Stiftung besuche ich das Künstlerhaus Edenkoben, wo ich die Nachricht von der positiven Auswahlentscheidung der Alexander-von-Humboldt Stiftung zu meiner Bewerbung um das Forschungsstipendium für Postdoktoranden erhalten habe).

Spaziergang in die Stadt. Einkauf in der Buchhandlung: Uwe Timms Morenga, ein Roman, den mein Doktorvater Professor Horst Turk sehr schätzte. Turk hat Timm 2003 nach Göttingen eingeladen. Im Kreis der Turkianer tauchen mehrere Timm-Expertinnen auf (vor allem Frau Dr. Andrea Albrecht, die in Göttingen mehrere Timm-Vorträge hielt und zusammen mit Frau Dr. Weiershausen Timms Lesung des Romans Rot im Literaturhaus Göttingen moderierte). Erinnerung an Herrn Turk!

Tolles Essen im Restaurant „Plenum“. Auf der Rückfahrt von Stuttgart nach Mannheim fällt mir ein schönes Zitat von Harald Weinrich, dem berühmten Linguisten und Adelbert-von-Chamisso-Preisträger (Chamisso, der mit dem Sinologen Julius Klaproth in Berlin eng befreundet war, galt eben auch als ein China-Kenner), ins Auge:

„Deutschland ist ein Land, das Sprache und Geschichte gemacht, und alle Personen, die von der deutschen Sprache einen solchen Gebrauch machen, daß sie diese Geschichte weiterschreiben, sind unsere natürlichen Landsleute, sie mögen von innen kommen oder von außen.“ (Aus dem Vortrag „um eine deutsche Literatur von außen bittend“, 1983)

In der Nacht um 24:00 haben wir noch das Geburtskind Herrn Johannes Fiederling, den ersten Preisträger des Shanghaier Übersetzungswettbewerbs und den jüngsten Literaturübersetzer unter den Teilnehmern, herzlich beglückwünschen können.

Wu Xiaoqiao